Von der römischen Manus fica bis in die Werkstätten von Santiago de Compostela: die Geschichte der Figa aus Gagat, eines Schutzamuletts über Generationen.

Was versteckten Mütter in der Kleidung ihrer Kinder?
Es gab eine Zeit, in der etwas mehr Angst machte als die Dunkelheit. Es war der böse Blick.
Man sah ihn nicht. Er machte kein Geräusch. Doch jahrhundertelang glaubten viele Menschen, ein Blick voller Neid könne Krankheit, Unglück oder Pech bringen. Und die größte Sorge galt immer den Kleinsten.
Deshalb wiederholten viele Mütter, bevor sie das Haus verließen, dieselbe Geste. Sie vergewisserten sich, dass eine kleine schwarze Hand noch immer in der Kleidung ihres Kindes verborgen war.
Es war eine Figa aus Gagat. Kein Schmuckstück. Ein Versprechen von Schutz.
Diese Geste – eine geschlossene Hand, bei der der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger hervorschaut – ist uralt. Schon die Römer kannten sie und nannten sie manus fica: eine Geste, um dem Bösen die Stirn zu bieten und den Neid zu vertreiben. „Dein Blick erreicht mich nicht.“
Jahrhunderte später, im Mittelalter, fand dieses Symbol im Norden Spaniens ein Zuhause, in Asturien und Galicien. In Santiago de Compostela, nahe den Gagat-Minen, begannen Kunsthandwerker, die Figa aus diesem schwarzen Stein zu schnitzen, dem man starke schützende Kräfte zuschrieb. Seitdem begleitete sie die Pilger auf dem Jakobsweg, schützte Generationen von Kindern und ging von Hand zu Hand wie ein kleiner Familienschatz.
Viele weitere Jahrhunderte sind vergangen. Heute wissen wir, dass kein Blick ein Kind krank macht. Aber den Neid gibt es noch immer. Und das Symbol der Figa hat sich bis in unsere Tage gehalten.
Denn Glaube verändert sich. Doch manche Symbole bleiben.
Vielleicht begleitet die Figa aus Gagat deshalb noch immer so viele Menschen, Generation um Generation.
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Und wenn du diese Geste in deine Rituale mitnehmen möchtest, findest du sie auch als Kerze.
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